SE, meinem Zuchtmeister ein Schnippchen schlagen

Deine persönliche SE Geschichte

SE, meinem Zuchtmeister ein Schnippchen schlagen

Beitragvon Maxe » 12.12.2020, 17:55

-Erfahrung teilen- ist Sinn eines Netzwerkes. Mein Beitrag:

Kämpfe seit 40 Jahren mit dem SE (Gesicht, Kopfhaut, Brust und Rücken), habe verschiedene Phasen durchlitten.

Das SE scheint ein Defekt in meinem Bauplan zu sein. Offensichtlich ist es nicht gesundheitsrelevant, aber kann demütigend sein und droht seelisch durchzuschlagen. Es ist gelegentlich Hürde für ein glückliches Leben, oder eine Ausrede für ein unglückliches, eine Anzeigetafel für Stabilität. Doping, wenn es gut läuft. Abräumer bis Vernichter, wenn man die Kontrolle verliert.

Was nun folgt, ist ein Einblick in mein Arrangement. Subjektiv, nicht belegbar hilfreich, auf keinen Fall ein Rezept. Es ist vielmehr Ausdruck meines Versuches, Frieden zu finden, und möglicherweise in der Deutlichkeit ein wünziger Strohhalm, wenn man zu ertrinken droht.

Beim SE gehts es um Entzündungsprozesse, die aus dem Ruder laufen können, aber nicht müssen. Das Schöne am SE ist, die konsequent gelebte „Feedback-Kultur“. Wenn Du die Tür nicht im Blick behältst, kann unter Umständen ein Tsunami eintreten. Schübe kommen, bleiben sichtbar, verschwinden wieder, schleichen sich wieder an, bleiben weg. Ein Kreislauf, die Taktung unergründlich.

Das Eintrittstor lässt sich nicht abschließen, steht eher einen Spalt offen. Das Schloss ist nicht geliefert worden. Du kriegst die Tür nicht zu! Aber Du bist nicht wehrlos. Es bleibt eine Tür. Wenn ein Angriff droht, kannst Du Dich wie in einer Thriller-Filmszenen mit allem was zur Verfügung steht dagegen stemmen und den vermeintlichen Eindringling zurückdrängen. Klug ist es, die Tür dann im Blick zu behalten, nie die Kontrolle abzugeben. Aber machen wir uns nichts vor. Das bedeutet Disziplin, und wir alle machen Fehler. Außerdem ist ein dogmatische Lebensführung Kacke. Das schöne Leben erschließt sich nicht nur mit Vernunft.

Man kann den Defekt im Bauplan akzeptieren, sich nur etwas ärgern und einfach ein glückliches Leben führen. Ich bin im Laufe Jahre mit dem SE sicher mental gewachsen, aber Gleichgültigkeit, wollte sich partout nicht einstellen. Nun, meine Lösung liegt darin, es „niederzuknüppeln“, und dann mit einer möglichst ausbalancierten Lebensführung, die Wahrscheinlichkeit eines Schubes zu minimieren. „Niederzuknüppeln“ bedeutet keinesfalls Cortison zu verwenden, und sich so einen trügerischen Aufschub zu verschaffen, dabei gleichzeitig den Schutzwall abzugraben. Es bedeutet vielmehr, Entzündungsprozessen im Körper den Nährboden zu entziehen, die Resilienz zu maximieren. Die Lösung ist banal, aber keinesfalls trivial, denn sie ist mehrdimensional zu verstehen. Es hat mit Disziplin und Achtsamkeit zu tun. Im Laufe der Zeit habe ich für mich folgende Einflussmöglichkeiten gefunden:

Ernährung ist ein Baustein. Ich meide bei beginnenden Schüben Zucker. Süßigkeiten sind tabu, Weißmehl total reduziert, Alkohol natürlich auch. Habe ich meine Haut im Griff, kann ich wieder zugreifen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die dauerhafte Reduzierung bis Vermeidung von Zucker einen prophylaktischen Beitrag leistet.
Als „guter Knüppel“ hat sich Intervallfasten bei mir bewehrt. Um zu regulieren, was aus dem Lot gekommen ist, war es ein guter Weg. Nun ein entschiedenes Aber: ich stimme in den Chor ein, der das Loblied auf eine ausgewogene Ernährung, ohne Peaks und Jo-Jos singt. Ich bin davon überzeugt, dass Ernährung Einfluss auf meine Belastung mit dem SE hat.
Trigger vermeiden (bei mir z.B. Bier)
Entzündungshemmende Antioxydantien (Gemüse, Obst, Nüsse, Fisch)
Darmflora pflegen (milchsauere Produkte, täglich Joghurt z.B.)

Weitere lebensbegleitende Einflüsse:
Regelmäßige Bewegung (z.B. auch körperliche Arbeit im Garten) hat auch bei mir zu einem entzündungshemmenden Effekten geführt .
Schlafkultur pflegen. Regelmäßig, nicht zu spät und bloß kein Entzug (Statt Bildschirm, lieber lesen oder Berieselung durch Podcast und Co)... schaffe ich nicht so gut, aber es hat Einfluss
Achtsamkeit, Yoga etc. wurde phasenweise genutzt, ist ne Stellschraube, Zufriedenheit und Liebe ein gutes Fundament
Aufenthalt im Freien, Sonne in Maßen, Wind, Reizklima (Berge und Hohe See, Salzwasser). heilt und stabilisiert

Bekämpfung:
Bei der Bekämpfung greife ich auf die niedrigschwellige und einfache Standards zurück. Nizoral, verdünnter Apfelessig und für den Kopf „Head and shoulders“. Auch ich habe schon Erfahrungen mit Stirilium gemacht. Ich bin da unschlüssig, ob es nicht die Haubarriere beeinflussen kann, also bin ich nur in mentalen Krisen wieder bereit das Spektrum der direkten Bekämpfung zu erweitern. Lange Zeit habe ich mich meiner Meinung nach zu sehr auf die Bekämpfung fokussiert. Das ist verständlich. Jeder, der stark unter dem SE leidet, wünscht sich durch Auftragen eines Mittelchens Erlösung. Aber es will sich noch nicht finden lassen.

Jetzt kommen wir zu einem wichtigen Punkt, der mich verblüfft hat, und der Anlass für diesen Erfahrungsbericht ist. Wenn man an den unermüdlichen Eindringling denkt, der versucht durch die Tür zu kommen, ist Hauptpflege offenbar ein mächtiges Schwert. Der Stärkung der Hautbarriere hatte ich lange Zeit nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt.

Pflege:
Bei der Reinigung der Haut war ich schon immer eher vorsichtig. Hygiene ist relativ. Ich reinige mein Gesicht nun mit Mizellenwasser (Da gibt es offenbar in manchen Produkten aber auch hautschädigende Inhaltsstoffe, also Achtung). Mizellenwasser scheint im Prinzip auch nur Seife zu sein, vielleicht weiterentwickelt und nicht nur als Werbeversprechen tatsächlich hilfreich. Ich bilde mir ein bei der Pflege einen spürbaren Unterschied für die Stabilität meiner Haut feststellen zu können. Für die intensive Pflege nutze ich preisgünstigen UREA-Gesichtscremes. Für den Einstieg in die Pflege habe ich kürzlich Kerium DS genommen. Ich glaube nicht, dass dieses eine Produkt ein wichtiger Bestandteil meines Abwehrerfolges ist, will es aber nicht unterschlagen. Die Pflege der Haut mit UREA scheint mir wichtig. Bei akuten Schüben bin ich mit der Pflege zurückhaltend, weil die Bekämpfung der Entzündung gefühlt von innen wie außen ohne weitere Reizung erfolgen sollte. Das ist nicht verifiziert, bester Spekulatius.

Der Abgang: das SE ist mein Zuchtmeister, hat mir über viele Jahre unermüdlich Lektionen erteilt. An dem Zustand meiner Haut habe ich meinen Lebensstil ablesen können. Mein Lebensstil ist nicht besonders exzessiv, unterscheidet sich nur in dem Umstand von anderen, dass er Alkohol und Zucker- Exzesse, eine unausgewogene Ernährung, Schlaf- , wie Bewegungsmangel, Druck und Stress, seelische Tiefen weit sichtbar in großen Schriftzügen im Gesicht nach außen sendet. Das SE mahnt mich zur Balance. Es sind Lektionen, die mittlerweile für mich mehr Bedeutung tragen, als den oft gescheiterten Versuch, die im Gesicht montierte Anzeigetafel in den Ruhemodus zu versetzen. Es ist die brutale Feedback-Kultur, die mich innehalten lässt. Ich hätte gerne darauf verzichtet, aber wer weiß wofür es gut ist. Mit aufmerksame Zuwendung in Form von Pflege habe ich den eitlen Kerl offensichtlich etwas besänftigen können. Sollte ich dennoch die Kontrolle verlieren, hilft es mir, möglichst viele der oben beschriebenen Register zu kombinieren und dann habe ich meinem Zuchtmeister wieder ein Schnippchen geschlagen.
Maxe
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